Marie Curie

07.11.1867-04.11.1934

Man muss Ausdauer haben und vor allem an sich selbst glauben. Man muss glauben, dass wir für etwas bestimmt sind und dass wir dieses 'Etwas' erreichen müssen.

Marie Curie

Біографія

Marie Curie, geboren am 7. November 1867 in Warschau, Polen, als Maria Skłodowska, war eine Pionierin auf dem Gebiet der Radioaktivität und die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt. Ihre Neugier und Leidenschaft für Wissenschaft führten sie an die Universität Sorbonne in Paris, wo sie Physik und Mathematik studierte. In Paris traf sie Pierre Curie, einen Professor für Physik, und die beiden heirateten im Jahr 1895.

Das Ehepaar Curie widmete sich der Erforschung radioaktiver Substanzen, eine Arbeit, die sie in einem umgebauten Schuppen durchführten. Ihre Entdeckungen, einschließlich der Isolierung von Polonium und Radium, revolutionierten die wissenschaftliche Welt. Marie Curie prägte den Begriff "Radioaktivität" und entwickelte Techniken für die Isolierung radioaktiver Isotope.

Im Jahr 1903 erhielt Marie Curie gemeinsam mit ihrem Mann Pierre und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Radioaktivität. Nach dem tragischen Tod ihres Mannes im Jahr 1906 übernahm sie seine Professur an der Sorbonne, als erste Frau auf einer solchen Position. Im Jahr 1911 erhielt sie ihren zweiten Nobelpreis, diesmal in Chemie, für die Isolierung von reinem Radium, was ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten und ihren unermüdlichen Einsatz für die Wissenschaft unterstrich.

Während des Ersten Weltkriegs entwickelte Marie Curie mobile Röntgengeräte, bekannt als "Petites Curies", und organisierte die Ausbildung von Krankenschwestern in ihrer Bedienung, was die medizinische Behandlung auf den Schlachtfeldern revolutionierte. Ihre Arbeit half, Tausende von Soldatenleben zu retten und etablierte den Einsatz von Röntgenstrahlen in der medizinischen Diagnose.

Nach dem Krieg konzentrierte sich Marie Curie auf den Aufbau des Curie-Instituts in Paris, eines führenden Zentrums für medizinische Forschung, insbesondere auf dem Gebiet der Radiotherapie. Sie förderte die Entwicklung von Behandlungen für Krebs durch den Einsatz von Radioaktivität und legte den Grundstein für moderne therapeutische Methoden in der Onkologie.

Marie Curie war auch eine engagierte Lehrerin und Mentorin. Sie setzte sich für die Förderung von Frauen in der Wissenschaft ein und inspirierte Generationen von Wissenschaftlerinnen. Ihr Erbe ist nicht nur in ihren wissenschaftlichen Erfolgen, sondern auch in ihrer Rolle als Wegbereiterin für Frauen in der Wissenschaft verankert.

Trotz ihrer vielen Errungenschaften kämpfte Marie Curie ihr Leben lang gegen gesundheitliche Probleme aufgrund der langen Exposition gegenüber radioaktiven Materialien. Sie starb am 4. Juli 1934 an aplastischer Anämie, einer Krankheit, die durch Strahlenschäden verursacht wurde. Ihre Hingabe und ihr Opfer für die Wissenschaft hinterließen ein dauerhaftes Erbe, das durch die nach ihr benannten Institute, Programme und Preise geehrt wird.

Marie Curie bleibt eine der faszinierendsten Figuren der modernen Wissenschaft. Ihre Entschlossenheit, ihr Pioniergeist und ihre wissenschaftlichen Durchbrüche haben unzählige Türen für nachfolgende Generationen von Wissenschaftlern geöffnet und den Weg für innovative Behandlungsmethoden in der Medizin geebnet.


Marie Curie war nicht nur eine brillante Wissenschaftlerin, sondern auch eine kulturelle Ikone, die die Barrieren für Frauen in der Wissenschaft durchbrach. Ihr Leben und Werk wurden weltweit gefeiert und dienten als Inspiration für zahlreiche Filme, Bücher und Theaterstücke, die das Bewusstsein für die Bedeutung von Frauen in der Wissenschaft schärften.

Ihre Forschungen hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung der Kernphysik und der medizinischen Radiologie. Marie Curie und ihr Ehemann entdeckten nicht nur zwei Elemente, sondern entwickelten auch neue Methoden zur Untersuchung der Radioaktivität. Diese Arbeiten legten den Grundstein für die Entwicklung der Atomtheorie und die Entdeckung der Kernspaltung, was später zur Entwicklung der Atomenergie und medizinischen Isotopen führte.

Darüber hinaus hatte Marie Curie einen erheblichen Einfluss auf die Verbesserung der medizinischen Diagnose und Behandlung. Die von ihr entwickelten Techniken zur Isolierung radioaktiver Isotope ermöglichten Fortschritte in der Radiographie und Krebstherapie. Diese Methoden sind heute in der Medizin allgegenwärtig und haben unzählige Leben gerettet.

Marie Curie war auch bekannt für ihre Bescheidenheit und ihre ethischen Überzeugungen. Trotz ihrer enormen wissenschaftlichen Erfolge lebte sie ein relativ bescheidenes Leben und investierte viel Zeit und Ressourcen in die Förderung der Wissenschaft und Bildung. Sie war eine überzeugte Befürworterin der wissenschaftlichen Bildung und setzte sich insbesondere für die Bildung von Frauen ein.

Die Curie-Familie setzte ihr wissenschaftliches Erbe fort. Ihre Tochter Irène Joliot-Curie und ihr Schwiegersohn Frédéric Joliot-Curie führten ihre Forschungen weiter und gewannen 1935 den Nobelpreis für Chemie für ihre Entdeckung der künstlichen Radioaktivität, ein Beweis für das dauerhafte wissenschaftliche Erbe der Curie-Familie.

Marie Curies Leben war voller Herausforderungen, von finanziellen Schwierigkeiten bis hin zu gesundheitlichen Problemen aufgrund ihrer Arbeit mit radioaktiven Materialien. Ihre Entschlossenheit und ihre Hingabe an die Wissenschaft ermöglichten jedoch bahnbrechende Entdeckungen, die die moderne Wissenschaft geprägt haben. Ihre Geschichte ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Leidenschaft und Hingabe die Welt verändern können, und sie bleibt eine der einflussreichsten Figuren in der Geschichte der Wissenschaft.

In Erinnerung an ihr Vermächtnis und ihre Leistungen wurden zahlreiche Institutionen, Programme und Preise nach Marie Curie benannt, um ihre unermüdliche Arbeit und ihren Beitrag zur Wissenschaft zu ehren. Das Marie-Curie-Programm der Europäischen Union, das Forschern finanzielle Unterstützung bietet, ist nur eines von vielen Beispielen, wie ihr Erbe fortgeführt wird.

Marie Curie starb im Jahr 1934, aber ihr Einfluss auf die Wissenschaft und die Gesellschaft ist zeitlos. Ihre Geschichte ist nicht nur ein Testament ihres genialen Verstandes, sondern auch ihrer außerordentlichen menschlichen Qualitäten, die sie zu einer der herausragendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit machten. Sie bleibt ein Symbol für die Überwindung von Widrigkeiten und für das Streben nach Wissen, das die Welt verbessern kann.



Marie Curies Einfluss erstreckte sich auch auf die Populärkultur und die öffentliche Wahrnehmung der Wissenschaft. Ihre Geschichte inspirierte eine Vielzahl von Kunst- und Kulturwerken, die dazu beitrugen, das Bild der Wissenschaftlerin in der Öffentlichkeit neu zu definieren. Theaterstücke, Filme und Literatur haben Marie Curies Leben und Arbeit thematisiert, wobei oft ihre Durchbrüche in der Wissenschaft und ihre Rolle als Pionierin im Vordergrund standen.

Ihr Engagement und ihre Erfolge in einer von Männern dominierten Wissenschaftswelt boten ein kraftvolles Vorbild für zukünftige Generationen von Wissenschaftlerinnen. Ihre Geschichte dient als Motivation und Inspiration für junge Frauen weltweit, die eine Karriere in der Wissenschaft anstreben. Das Vermächtnis von Marie Curie zeigt, dass Engagement und harte Arbeit zu außergewöhnlichen Errungenschaften führen können, unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.

Die wissenschaftlichen Methoden, die Marie Curie entwickelt und verfeinert hat, sind heute Grundlagen in der Forschung und werden in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen angewendet. Ihre Arbeit hat nicht nur das Feld der Kernphysik und der Chemie beeinflusst, sondern auch die Entwicklung neuer Technologien und Behandlungsmethoden in der Medizin beschleunigt. Ihre Entdeckungen bei der Behandlung von Tumoren mit radioaktiven Substanzen haben den Weg für die heutige Strahlentherapie geebnet.

Darüber hinaus hat Marie Curie eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der wissenschaftlichen Ethik gespielt. Ihre Entscheidung, keine Patente auf das von ihr entwickelte Verfahren zur Isolierung von Radium zu anmelden, ermöglichte es der wissenschaftlichen Gemeinschaft, frei auf ihre Forschungsergebnisse zuzugreifen und diese weiterzuentwickeln. Dieses Prinzip der Offenheit und Zugänglichkeit in der Wissenschaft hat viele Forscher inspiriert und trägt weiterhin zur kollektiven Natur der wissenschaftlichen Forschung bei.

Marie Curies Bedeutung geht über ihre wissenschaftlichen Errungenschaften hinaus. Ihr Leben und Werk haben auch wichtige gesellschaftliche Diskussionen über die Rolle von Frauen in der Wissenschaft und die Notwendigkeit einer gleichberechtigten Beteiligung in allen akademischen Disziplinen angeregt. Durch ihre Errungenschaften hat sie die Türen für nachfolgende Generationen von Forscherinnen geöffnet und gezeigt, dass wissenschaftlicher Fortschritt unabhängig von Geschlecht möglich ist.

Zum Gedenken an Marie Curie und zur Förderung ihrer Werte werden in vielen Ländern Programme und Initiativen durchgeführt, die sich dem Engagement für Frauen in der Wissenschaft widmen. Diese Programme bieten Stipendien, Mentorings und Netzwerkmöglichkeiten, um die von Marie Curie gesetzten Standards weiterzuführen und Frauen in der Wissenschaft zu unterstützen.

Marie Curie bleibt eine Figur von immenser historischer und kultureller Bedeutung. Ihre Errungenschaften in der Wissenschaft und ihre Überwindung von gesellschaftlichen Barrieren machen sie zu einer dauerhaften Inspiration, nicht nur für Wissenschaftler, sondern für alle, die nach Wissen streben und die Welt durch ihre Arbeit verbessern wollen.




Diese Biografie von Marie Curie wurde von ChatGPT KI erstellt. Der Text ist original und verstößt nicht gegen Urheberrechte, da alle darin enthaltenen Informationen öffentlich bekannt sind und auf historischen Fakten basieren, die gemeinfrei sind. Diese Biografie dient der allgemeinen Information und kann als Grundlage für weitere Forschungs- und Bildungsprojekte dienen.

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Geburtshaus von Marie Curie in Warschau.

Maria Skłodowska war das jüngste von fünf Kindern des Lehrerehepaares Bronisława und Władysław Skłodowski, die beide dem niederen polnischen Landadel, der Szlachta, entstammten und zur polnischen Intelligenzija zählten. Ihr Vater Władysław hatte an der Universität Sankt Petersburg studiert und als Lehrer für Mathematik und Physik an verschiedenen staatlichen und privaten Schulen unterrichtet. Ihre Mutter Bronisława wurde am Mädchenpensionat in der Fretastraße (Ulica Freta), der einzigen privaten Mädchenschule in Warschau, ausgebildet, wo sie anschließend erst als Lehrerin und später als Schulleiterin tätig war und wo die Familie zum Zeitpunkt von Marias Geburt wohnte. 1868 wurde ihr Vater zum stellvertretenden Direktor einer öffentlichen Schule befördert, woraufhin die Familie in die mit der Stellung verbundene größere Dienstwohnung in der Nowolipki-Straße (Ulica Nowolipki) zog. Etwa zu dieser Zeit erkrankte Marias Mutter an Tuberkulose und musste ihren Posten aufgeben. Als ihr Vater 1873 aus dem Schuldienst entlassen wurde, war die Familie aus finanziellen Gründen gezwungen, ein Pensionat zu eröffnen, das anfangs zwei und später bis zu zehn Schüler beherbergte.[1] Maria wurde mit sechs Jahren eingeschult und besuchte zunächst die von ihrer Mutter geleitete Mädchenschule in der Fretastraße. Zwei Jahre später wechselte sie auf die näher gelegene Privatschule von Jadwiga Sikorska (1846–1927). Nach dem gescheiterten Januaraufstand von 1863 wurde im russisch kontrollierten Teil Polens eine zunehmende Russifizierung betrieben. Unterricht durfte nur in russischer Sprache erteilt, polnische Geschichte und Kultur konnte nur heimlich unterrichtet werden, was gleichermaßen eine Herausforderung für Lehrer wie Schüler war. Im Herbst 1878 wechselte Maria an das öffentliche Gymnasium Nr. 3. Kurz zuvor war ihre Mutter an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben. 1883 bestand Maria im Alter von 15 Jahren ihr Abitur als Klassenbeste. Das darauf folgende Jahr verbrachte sie bei Verwandten auf dem Land, da sie Anzeichen von Erschöpfung zeigte.[2]


Maria Skłodowska (links) mit ihrem Vater Władysław Skłodowski und ihren Schwestern Bronia und Helena (1890)
In Polen durfte Maria nicht studieren, weil Frauen an Universitäten nicht zugelassen waren. Die finanzielle Situation ihres Vaters ließ eine Unterstützung während eines Auslandsstudiums nicht zu. Im Spätsommer 1884 begann Maria in der Wohnung ihres Vaters Privatunterricht zu erteilen. Während dieser Zeit nahm sie gemeinsam mit ihrer Schwester Bronia an Kursen der von Jadwiga Szczawińska-Dawidowa (1864–1910) heimlich organisierten Fliegenden Universität (Uniwersytet Latający) teil, die eine akademische Bildung ermöglichte.
Maria Skłodowska (links) mit ihrem Vater Władysław Skłodowski und ihren Schwestern Bronia und Helena (1890)



Ab September 1885 arbeitete Maria kurze Zeit als Hauslehrerin bei einer Anwaltsfamilie. Ende 1885 übernahm sie für dreieinhalb Jahre eine Stelle als Hauslehrerin auf dem Land in Szczuki bei Przasnysz mit der Aufgabe, die beiden ältesten Töchter der Familie Żorawski zu unterrichten. An ihren freien Abenden las sie Bücher über Physik, Soziologie, Anatomie und Physiologie, um ihre Neigungen auszuloten und sich auf das Studium vorzubereiten. Mit dem Einverständnis des Hausherrn und mit Unterstützung von dessen ältester Tochter gab Maria täglich einem Dutzend Bauernkindern Unterricht im Lesen und Schreiben. Als im Sommer des ersten Jahres ihres Aufenthalts der älteste Sohn der Familie Kazimierz Żorawski von der Universität nach Hause zurückkehrte, verliebten sich beide ineinander. Ihre Heiratspläne scheiterten jedoch am Widerstand von Kazimierz’ Familie. Im Frühjahr 1889 endete Marias Tätigkeit bei den Żorawskis. Sie fand eine weitere Hauslehrerinnenstelle in einem Badeort an der Ostseeküste. Um seine Töchter besser finanziell unterstützen zu können, hatte ihr Vater im April 1888 nach seiner Pensionierung für zwei Jahre die Leitung einer landwirtschaftlichen Erziehungsanstalt in Studzieniec in der Nähe von Warschau übernommen.

Seit 1890 wohnte Maria wieder mit ihrem Vater in Warschau zusammen. Ihrem Cousin Józef Boguski, einem ehemaligen Assistenten von Dmitri Mendelejew, wurde die Leitung des Warschauer Industrie- und Landwirtschaftsmuseums (Muzeum Przemysłu i Rolnictwa) übertragen. In den Räumlichkeiten des Museums, das über ein eigenes Laboratorium verfügte, bekam Maria zum ersten Mal die Gelegenheit, eigene chemische und physikalische Experimente durchzuführen, die ihre „Neigung zur experimentellen Forschung auf dem Gebiet der Physik und Chemie“ festigte und sie in ihrem Wunsch, ein naturwissenschaftliches Studium in Paris aufzunehmen, bestärkte.
Pierre, Irène und Marie Curie 1902 in Paris


Erste Jahre in Paris

1891 reiste Maria Skłodowska nach Paris, wo sie anfangs bei ihrer Schwester Bronia und deren Mann Kazimierz Dłuski in der Rue d’Allemagne unweit des Gare du Nord wohnte. Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein. Unter den 9000 Studenten der Universität in diesem Jahr befanden sich 210 Frauen. Von den mehr als 1825 Studenten der Faculté des sciences waren 23 weiblich.[5] Ihre wenigen Mitstudentinnen kamen meist aus dem Ausland, da an den französischen Mädchenschulen zu dieser Zeit die zur Baccalauréat-Prüfung notwendigen Fächer Physik, Biologie, Latein und Griechisch nicht gelehrt wurden.[6] Marie hatte schlechtere Vorkenntnisse als ihre französischen Kommilitonen. Die sprachlichen Probleme bildeten eine zusätzliche Herausforderung. Im Winter 1891/1892 spielte sie bei einem von Exilpolen inszenierten russlandfeindlichen Theaterstück mit, was ihren Vater sehr verärgerte.[7]

Im März 1892 zog Marie Skłodowska in ein kleines möbliertes Zimmer in der Rue Flatters im Quartier Latin um, da sie mehr Ruhe für ihr Studium benötigte und näher bei den Einrichtungen der Universität wohnen wollte. In ihrem ersten Studienjahr gehörten unter anderem der Mathematiker Paul Appell und die Physiker Gabriel Lippmann und Edmond Bouty zu ihren Lehrern. Die Prüfungen für das Lizenziat der Physik (licence des sciences physiques) schloss sie im Juli 1893 als Beste ab. Im Sommer wurde ihr das Alexandrowitsch-Stipendium in Höhe von 600 Rubeln zugesprochen, das ihr die Fortsetzung des Studiums in Paris ermöglichte. Den Abschluss für das Lizenziat in Mathematik (licence des sciences mathématiques) machte sie im Juli 1894 als Zweitbeste.[8]

Die Gesellschaft zur Förderung der Nationalindustrie (Société d’Encouragement pour l’Industrie Nationale) beauftragte Marie Skłodowska Anfang 1894, eine Studie über die magnetischen Eigenschaften verschiedener Stahlsorten durchzuführen. Sie arbeitete unter sehr beengten Verhältnissen im Labor ihres Lehrers Gabriel Lippmann und war auf der Suche nach einem geeigneteren Platz für ihre Experimente, worüber sie dem Physiker Józef Kowalski, Professor an der Universität Freiburg, berichtete. Kowalski machte sie im Frühjahr mit Pierre Curie bekannt, der an der École municipale de physique et de chimie industrielles (EPCI, heute: ESPCI) unterrichtete und das dortige Laboratorium leitete. Im Sommer 1894 suchte Marie in Polen nach einer interessanten Forschungstätigkeit. Da sie kein geeignetes Angebot erhielt, beschloss sie, für ein weiteres Jahr nach Paris zurückzukehren.[9] Dort entwickelte sich aus der beruflichen Zusammenarbeit mit Pierre Curie eine gegenseitige Zuneigung. Am 26. Juli 1895 heiratete Marie Skłodowska im Rathaus von Sceaux Pierre Curie. Das Paar zog in eine Dreizimmerwohnung in der Rue de la Glacière.

In ihrem ersten Ehejahr bereitete sich Marie Curie auf die Agrégation vor, die sie berechtigte, an einer höheren Mädchenschule zu unterrichten und ihr ein eigenes Einkommen verschaffen würde. Die Prüfungen im Sommer 1896 bestand sie erneut als Beste ihres Kurses. Nebenher setzte Marie Curie ihre physikalischen Studien fort. Sie besuchte unter anderem Vorlesungen von Marcel Brillouin und dokumentierte ihre Untersuchungen über die Magnetisierung von gehärtetem Stahl, was ihre erste wissenschaftliche Veröffentlichung war. Am 12. September 1897 brachte sie ihre erste Tochter Irène zur Welt.
Pierre und Marie Curie in ihrem Laboratorium in der Rue Cuvier
Anordnung zur Messung der Radioaktivität:
A, B Plattenkondensator
C Schalter
E Elektrometer
H Schale für Gewichte
P Batterie
Q Piezoelektrischer Quarz
Eine Pechblendenprobe aus Sankt Joachimsthal

Wissenschaftliche Erfolge
Radioaktivität und neue chemische Elemente

Als Marie Curie ein Thema für ihre Doktorarbeit suchte, beschloss sie, sich den „Becquerel-Strahlen“ zuzuwenden. Diese bezeichneten die im Frühjahr 1896 von Antoine Henri Becquerel zufällig entdeckte Fähigkeit einer Uranverbindung, von sich aus eine fotografische Platte zu schwärzen. Diese Strahlen blieben damals nahezu unbeachtet,[10] während die Ende 1895 beim Betrieb einer Kathodenstrahlröhre durch Wilhelm Conrad Röntgen entdeckten Röntgenstrahlen weltweit Aufsehen erregten und zahlreiche Forschungsaktivitäten auslösten.

Zunächst beabsichtigte sie, die Ionisationsfähigkeit der von Uransalzen ausgehenden Strahlung zu quantifizieren, und knüpfte mit ihren Versuchen an die Ende 1897 im Labor von Lord Kelvin[11][12] durchgeführten Messungen an. In den ersten Wochen ihrer am 16. Dezember 1897[13] begonnenen Experimente entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Mann Pierre ein Verfahren, das auf einem von Pierre entwickelten piezoelektrischen Elektrometer beruhte und mit dem sie die von den Strahlen verursachte Änderung der elektrischen Leitfähigkeit der Luft sehr genau messen konnte.

Auf diese Weise untersuchte Marie Curie zahlreiche uranhaltige Metalle, Salze, Oxide und Mineralien, die ihr Henri Moissan, Alexandre Léon Étard (1852–1910), Antoine Lacroix und Eugène-Anatole Demarçay zur Verfügung gestellt hatten. Sie stellte dabei fest, dass Pechblende viermal und natürliches Chalcolit doppelt so aktiv wie Uran ist. Die gemessene Aktivität der uranhaltigen Stoffe erwies sich als unabhängig von ihrem Aggregatzustand und war proportional zu ihrem Urananteil. Eine Kontrollmessung an künstlich hergestelltem Chalcolit, das sie mit Hilfe des Debray-Verfahrens aus Urannitrat, Kupferphosphat und Phosphorsäure gewonnen hatte, bestätigte diese Erkenntnis. Marie Curie folgerte daraus, dass die „Becquerel-Strahlung“ eine Eigenschaft bestimmter Atome und keine chemische Eigenschaft der untersuchten Verbindung ist.

Ihre Forschungsergebnisse wurden am 12. April 1898 von Gabriel Lippmann vor der Académie des sciences in Paris vorgetragen, da Marie Curie kein Mitglied der Akademie war. Ihre während dieser ersten Untersuchungen gemachte Beobachtung, dass Thorium ähnlich wie Uran strahlt, war bereits Anfang Februar 1898 unabhängig von ihr durch Gerhard Schmidt (1865–1949) entdeckt und bei einem Treffen der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin publiziert worden.[14][15]

Marie Curie und ihr Mann gingen davon aus, dass die hohe Aktivität der Pechblende von einem unbekannten chemischen Element verursacht werde. In den folgenden Wochen versuchten sie, dieses Element mit chemischen Verfahren zu isolieren. Bald hatten sie Zwischenprodukte erzeugt, die viel aktiver als Pechblende waren, und folgerten daraus, dass es sich nicht um ein neues Element handele, sondern um zwei verschiedene, von denen eines chemisch Bismut und das andere Barium ähneln müsse. Der spektroskopische Nachweis des ersten neuen Elementes, das sie am 13. Juni 1898[16] zu Ehren von Marie Curies polnischer Heimat Polonium getauft hatten, misslang jedoch. Dennoch ließen sie fünf Tage später Henri Becquerel ihre Ergebnisse vor der Académie des sciences präsentieren. In der Überschrift des Berichtes wurde erstmals das Wort „radioaktiv“ verwendet. Im Juli wurde Marie Curie für ihre Arbeiten über die magnetischen Eigenschaften von Stahl und die Radioaktivität der mit 3800 Francs dotierte Prix Gegner der Académie des sciences zuerkannt.[17][18]

Im Herbst 1898 litt Marie Curie an Entzündungen der Fingerspitzen, welche die ersten bekannten Symptome der Strahlenkrankheit waren, an der sie später litt.[19] Nach einem ausgedehnten Sommerurlaub in der Auvergne nahm das Paar am 11. November die Suche nach dem zweiten unbekannten Element wieder auf. Mit der Hilfe von Gustave Bémont gelang es ihnen schnell, eine Probe herzustellen, die 900-mal so stark wie Uran strahlte. Am 20. Dezember[20] erhielt das neue Element im Laborbuch der Curies den Namen Radium. Diesmal ergab die von Eugène-Anatole Demarçay an der Probe vorgenommene spektroskopische Untersuchung eine Spektrallinie, die sich keinem bisher bekannten Element zuordnen ließ. Am 26. Dezember 1898 war es erneut Becquerel, der vor der Akademie von den Forschungsergebnissen der Curies berichtete.
Urkunde des Physiknobelpreises von 1903


Anfang 1899 verlagerte das Forscherpaar seine Arbeitsschwerpunkte. Gemeinsam mit Georges Sagnac und André-Louis Debierne beschäftigte sich Pierre Curie mit den physikalischen Wirkungen der Radioaktivität. Marie Curie konzentrierte sich vollständig auf die chemische Isolierung des Radiums. Dafür benötigte sie große Mengen Pechblende. Durch die Vermittlung von Eduard Suess, dem amtierenden Präsidenten der Akademie der Wissenschaften in Wien, erhielt sie eine Tonne Pechblendenabfälle aus Sankt Joachimsthal, für die sie nur die Transportkosten übernehmen musste. Von der EPCI bekam sie die Erlaubnis, einen zugigen Schuppen, der vorher als Sezierraum diente, für ihre langwierige und physisch anstrengende Arbeit zu benutzen.

Im März 1900 zogen Marie und Pierre Curie in eine Wohnung am Boulevard Kellermann. Im selben Jahr wurde Marie als erste Frau an die École normale supérieure de jeunes filles (ENSJF) in Sèvres berufen, die als Frankreichs renommierteste Ausbildungsstätte für zukünftige Lehrerinnen galt,[21] um dort Physik zu lehren. Auf einem Physikerkongress anlässlich der Pariser Weltausstellung stellten die Curies ihre Forschungsergebnisse über Radioaktivität zahlreichen ausländischen Physikern vor und verfassten aus diesem Anlass ihre bis dahin umfangreichste Abhandlung mit dem Titel Die neuen radioaktiven Substanzen und die von ihnen emittierten Strahlen.

Die Académie des sciences unterstützte Marie Curies Arbeit finanziell. Noch zweimal, 1900[22] und 1902[23], wurde ihr der Prix Gegner verliehen. 1903 erhielt sie den mit 10.000 Francs[24] dotierten Prix La Caze. Die Fortsetzung ihrer Radiumforschung sicherte die Akademie im März 1902 mit einem Kredit über 20.000 Francs. Im Juli 1902 hatte Marie Curie ein Dezigramm Radiumchlorid gewonnen und konnte damit die Atommasse des Radiums sehr genau bestimmen.
In diesem Schuppen isolierte Marie Curie das Radium.



Sie wandte sich anschließend ihrer Dissertation mit dem Titel Recherches sur les substances radioactives (deutsch: Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen) zu. Die von Dekan Paul Appell am 11. Mai 1903 zugelassene Doktorarbeit verteidigte sie am 25. Juni vor Gabriel Lippmann, Henri Moissan und Edmond Bouty. Die Dissertation wurde innerhalb eines Jahres in fünf Sprachen übersetzt und 17-mal abgedruckt,[25] darunter in den von William Crookes herausgegebenen Chemical News und den Annales de physique et chimie.

Anfang 1903 traten bei Marie und Pierre Curie erste gesundheitliche Probleme auf, die sie jedoch auf Überarbeitung zurückführten.[26] Marie Curie hatte im August 1903 eine Fehlgeburt, die sie gesundheitlich weiter schwächte. Als die Royal Society dem Ehepaar am 5. November 1903 die Davy-Medaille zusprach, die jährlich für die wichtigste Entdeckung auf dem Gebiet der Chemie vergeben wird, musste Pierre Curie allein nach London reisen, um den Preis entgegenzunehmen.

Mitte November erhielten die Curies einen Brief von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie „in Anerkennung der außerordentlichen Leistungen, die sie sich durch ihre gemeinsame Forschung über die von Professor Henri Becquerel entdeckten Strahlungsphänomene erworben haben“[27] gemeinsam mit Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik erhalten sollten. Die Einladung zum offiziellen Festakt im Dezember 1903 nahmen sie unter Hinweis auf ihre Unterrichtsverpflichtungen und Maries schlechte Gesundheit nicht wahr. Die Reise nach Stockholm, während der Pierre Curie einen Nobel-Vortrag über radioaktive Substanzen und speziell Radium hielt, traten sie erst im Juni 1905 an.
Titelblatt von Marie Curies Doktorarbeit


Nach der Zuerkennung des Nobelpreises gerieten Marie und Pierre Curie in die Schlagzeilen der französischen Presse. So schrieb beispielsweise Les Dimanches: „Der Fall von Monsieur und Madame Curie, die auf dem Gebiet der Wissenschaft zusammenarbeiten, ist gewiss nicht das Übliche. Eine Idylle im Physiklabor, das hat die Welt noch nicht gesehen.“ ([28]) Marie Curies Rolle bei der Erforschung des Radiums wurde wechselweise unterschätzt oder übertrieben und ihre polnische Herkunft gern übersehen. Durch das Eindringen der Reporter in ihre Privatsphäre fühlten sich die Curies mehr und mehr bedrängt.[29]

Am 1. Oktober 1904 trat Pierre Curie seine Professur an dem eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl für allgemeine Physik an der Sorbonne an, und Marie Curie wurde die Leitung der wissenschaftlichen Arbeiten (chef des travaux) des Laboratoriums übertragen.

Anfang Dezember 1904 wurde ihre zweite Tochter Ève geboren.

Am 19. April 1906 geriet Pierre Curie unter die Räder eines Lastfuhrwerkes und starb noch am Unfallort.[30] Marie Curie traf der Verlust schwer, hatte sie doch sowohl ihren geliebten Lebenspartner als auch ihren wissenschaftlichen Mitstreiter verloren.[31] In den folgenden Jahren, in denen sie an Depressionen litt,[32] waren Pierres Vater Eugène Curie und sein Bruder Jacques Curie ihr und ihren Kindern eine große Unterstützung. Im Frühjahr 1907 zog sie in die Rue Chemin de fer in Sceaux, um näher an Pierres Grab zu sein. Nach seinem Tod nahm sie (teilweise) wieder ihren Mädchennamen an.

Die naturwissenschaftliche Fakultät der Universität musste entscheiden, wer Pierre Curies Lehrstuhl übernehmen sollte. Da Marie Curie die geeignetste Kandidatin war, um seine Vorlesungen fortzusetzen, schlug eine Kommission am 3. Mai vor, ihr die Kursverantwortung (chargé de cours) und die Leitung des Laboratoriums zu übertragen, den Lehrstuhl jedoch unbesetzt zu lassen. Marie Curie gab ihre Lehrtätigkeit an der Mädchenschule in Sèvres auf und hielt unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit am 5. November 1906 ihre erste Vorlesung. Sie war die erste Frau, die an der Sorbonne lehrte.[33] Die ordentliche Professur für Physik wurde ihr erst zwei Jahre später übertragen, am 16. November 1908.
Paul Langevin (ganz rechts neben Albert Einstein stehend) und Marie Curie (in der Mitte am Tisch sitzend) während der ersten Solvay-Konferenz für Physik im Jahr 1911


Ende 1911 beschäftigte sich die französische Presse mit Curies Beziehung zu dem fünf Jahre jüngeren Paul Langevin, einem Schüler ihres 1906 verstorbenen Ehemanns Pierre. Die Familien waren miteinander befreundet und verbrachten gelegentlich den Sommerurlaub miteinander. Wohl spätestens seit Mitte Juli 1910[43] hatten Marie Curie und Paul Langevin eine Liebesbeziehung. Sie trafen sich in einer gemeinsam angemieteten Wohnung, in der sie auch ihren Briefwechsel aufbewahrten. Langevins Frau wurde bald auf die Vertrautheit der beiden aufmerksam und drohte Marie Curie mit Mord.[44] Um Ostern 1911 wurden die Briefe, die sich Marie Curie und Paul Langevin geschrieben hatten, aus ihrer gemeinsamen Wohnung entwendet.[45] Im August 1911 reichte Langevins Frau die Scheidung ein und verklagte ihren Ehemann wegen „Verkehrs mit einer Konkubine in der ehelichen Wohnung“.[46] Um für die öffentliche Gerichtsverhandlung und die drohende Veröffentlichung der Briefe gewappnet zu sein, versicherte sich Marie Curie der Hilfe des Anwalts Alexandre Millerand, der in den 1920er Jahren französischer Staatspräsident wurde.

Einen Tag nach dem Ende der ersten Solvay-Konferenz, die vom 30. Oktober bis zum 3. November 1911 stattfand und an der Curie als einzige Frau teilnahm, veröffentlichte Fernand Hauser (1869–1941) in der Zeitschrift Le Journal einen Artikel mit der Schlagzeile „Eine Liebesgeschichte. Madame Curie und Professor Langevin“. Die Zeitung Le Petit Journal folgte am darauf folgenden Tag mit der gleichen Geschichte[47] und drohte am 6. November mit der Veröffentlichung von Liebesbriefen.[48] Vier Tage nach den ersten Vorwürfen veröffentlichte Le Temps eine Gegendarstellung Curies, in der sie die Anschuldigungen energisch bestritt.[49] Linke Zeitschriften und Zeitungen wie Gil Blas oder L’Humanité[50] verteidigten Curie, während die gemäßigte Presse schwieg. Wissenschaftler wie Perrin, Poincaré, Borel, Einstein und Pierres Bruder Jacques unterstützten sie.

Ab dem 18. November 1911 griff Maurice Pujo (1872–1955), Mitgründer der Zeitschrift L’Action française, in einer Artikelserie mit dem Titel Pour une mère (deutsch: Für eine Mutter) Marie Curie fast täglich an. L’Action française und L’Intransigeant drohten mit einer Veröffentlichung ihres Briefwechsels mit Paul Langevin. Fünf Tage später veröffentlichte Gustave Téry in L’Œuvre einen zehnseitigen Auszug aus der Korrespondenz vom Sommer 1910.[51] Téry bezeichnete sie als „eine Fremde, eine Intellektuelle, eine Emanze“[52] und als eine Ausländerin, die ein französisches Heim zerstöre. In der Folge kam es zu fünf Duellen, darunter am 26. November eines zwischen Paul Langevin und Gustave Téry. Bei diesem Pistolenduell erfolgte jedoch kein Schusswechsel.[53]

Die Anfeindungen erreichten ihren Höhepunkt, als die Zeitung L’Œuvre Marie Curies zweiten Vornamen Salomea „entdeckte“ und in ihrer Ausgabe vom 20. Dezember 1911 fragte: „Ist Madame Curie Jüdin?“ und behauptete: „Ihr Vater ist in der Tat ein konvertierter Jude“.[54] Nachdem sich Paul Langevin und seine Frau außergerichtlich geeinigt hatten, ebbten die Angriffe schließlich ab.[55] Die während der „Langevin-Affäre“ erhobenen Vorwürfe und der damit verbundene „Makel“ begleiteten Marie Curie für den Rest ihres Lebens
Urkunde des Chemienobelpreises von 1911


Als die Veröffentlichungen über die „Langevin-Affäre“ in der französischen Presse begannen, wurde in Stockholm über die Vergabe des Nobelpreises für Chemie beraten. Das über die Berichte besorgte Nobelkomitee beauftragte August Gyldenstolpe (1849–1928), den Botschafter Schwedens in Frankreich, Curie und Langevin zu den Vorwürfen zu befragen.[57] Mit der Entscheidung der Akademie vom 7. November 1911, Marie Curie den Chemiepreis zuzuerkennen, die ihr Christopher Aurivillius, der damalige Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie der Wissenschaften telegraphisch mitteilte, wurde erstmals einer Person zum zweiten Mal ein Nobelpreis zuerkannt.

Die französischen Medien berichteten allerdings nur spärlich über diese Auszeichnung. Die anschließende Veröffentlichung des Briefwechsels und das Duell Langevins versetzte die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Unruhe: Das Akademiemitglied Svante Arrhenius, Chemie-Nobelpreisträger von 1903, schrieb ihr einen Brief, in dem er versuchte, sie von einer Reise zur Preisverleihung abzubringen, was sie allerdings bestimmt zurückwies.[58] Allen Widerständen zum Trotz reiste Marie Curie gemeinsam mit ihrer Schwester Bronia und ihrer Tochter Irène zur Nobelpreis-Zeremonie nach Stockholm, wo sie am 10. Dezember den Nobelpreis für Chemie „in Anerkennung ihrer Verdienste um den Fortschritt der Chemie durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, durch Isolierung des Radiums und die Untersuchung der Natur und der Verbindungen dieses bemerkenswerten Elementes“ entgegennahm. Besonders hervorgehoben wurde die ihr gemeinsam mit André-Louis Debierne gelungene Herstellung von metallischem Radium. Am darauffolgenden Tag hielt sie ihre Nobelvorlesung.[59]

Nach der Rückkehr aus Stockholm verschlechterte sich Marie Curies Gesundheitszustand. Sie litt an einer Nierenbeckenentzündung, die operativ behandelt werden musste. Sie zog von ihrem Haus in Sceaux, wo sie von Nachbarn beschimpft wurde, in den vierten Stock eines Apartmenthauses am Quai de Béthune auf der Île Saint-Louis um. 1912 und 1913 reiste sie meist unter falschem Namen und bat Freunde und Verwandte, keine Auskunft über ihren Aufenthaltsort zu geben.[60] Im Juli 1912 hielt sie sich in England bei Hertha Marks Ayrton, der Frau von William Edward Ayrton, auf, die sich vergeblich um eine Aufnahme in die Royal Society bemüht hatte und die ihr eine wichtige Freundin wurde. Elf Jahre lang veröffentlichte sie ihre Artikel nicht mehr in den Comptes rendus, dem Publikationsorgan der Akademie der Wissenschaften, sondern bevorzugte stattdessen Zeitschriften wie Le Radium und das Journal de physique.

Im Verlauf des Jahres 1913 besserte sich ihr Gesundheitszustand, und sie konnte gemeinsam mit Heike Kamerlingh Onnes die Eigenschaften der Radiumstrahlung bei tiefen Temperaturen untersuchen. Im März 1913 erhielt sie Besuch von Albert Einstein, mit dem sie einen Sommerausflug in das Schweizer Engadin unternahm. Im Oktober nahm sie an der zweiten Solvay-Konferenz teil, und im November reiste sie nach Warschau, um das zu ihren Ehren erbaute Radium-Institut einzuweihen.
Marie Curie beim Besuch der Standard Chemical Company im Jahr 1921


Im Mai 1920 gewährte Marie Curie Marie Meloney (1878–1943), der Herausgeberin des amerikanischen Frauenmagazins The Delineator, ein Interview. Das schlichte Auftreten Marie Curies und die kärglichen Bedingungen am Institut du Radium, unter denen sie arbeitete, beeindruckten Meloney. Im Verlauf des Gesprächs erfuhr sie, dass es Curies dringlichster Wunsch war, ein Gramm Radium für die Fortsetzung ihrer Forschungsarbeiten zu erhalten. Die Vorräte des Institutes waren infolge der damit durchgeführten Therapien im Ersten Weltkrieg stark zurückgegangen und der Handelspreis für ein Gramm Radium betrug zu dieser Zeit für das Institut unerschwingliche 100.000 US-Dollar.[64]

Nach ihrer Rückkehr gründete Meloney in den Vereinigten Staaten das Marie Curie Radium Fund Committee mit dem Ziel, 100.000 Dollar für die Beschaffung von einem Gramm Radium zu sammeln. Am 3. Mai 1921 vergab das Komitee, das bis dahin 82.000 Dollar[64] gesammelt hatte, den Auftrag für die Herstellung des gewünschten Radiums an die Standard Chemical Company in Pittsburgh, die seit 1911 Radium in größeren Mengen produzierte.[65] Meloney überzeugte Marie Curie von der Notwendigkeit einer längeren Amerikareise. Sie bereitete diese unter anderem mit der fast ausschließlich Marie Curie gewidmeten Ausgabe des Delineators im April 1921 vor.
Am 4. Mai 1921 ging Marie Curie gemeinsam mit ihren beiden Töchtern und in Begleitung von Marie Meloney an Bord der Olympic.[66] Sieben Tage später traf sie in New York City ein, wo sie von einer großen Menschenmenge begrüßt wurde. Über ihre Ankunft berichtete die New York Times auf ihrer Titelseite unter der Schlagzeile Madame Curie hat vor, dem Krebs ein Ende zu bereiten.[67] Curies Entgegnung, dass „Radium kein Heilmittel gegen jede Art von Krebs“ sei, brachte die New York Times hingegen erst auf Seite 22.[68] Während ihres Aufenthaltes wurde ihre Rolle als Wissenschaftlerin in den Hintergrund gerückt und sie vornehmlich als „weibliche Heilende“ dargestellt.[69] Marie Curie besuchte zunächst verschiedene Frauencolleges, die für sie im Rahmen von Meloneys Kampagne gespendet hatten. Höhepunkt war eine am 18. Mai von der American Association of University Women organisierte Veranstaltung, bei der sie vor 3500 Frauen sprach.

Nachdem ihr am 20. Mai durch Präsident Warren G. Harding im Blauen Zimmer des Weißen Hauses symbolisch das für sie gesammelte Gramm Radium übergeben worden war,[70] begann Curie eine Rundreise durch die Vereinigten Staaten. Ihre Ziele waren das Labor von Bertram Boltwood, die Fabriken der Standard Chemical Company in Oakland und Canonsburg, aber auch die Niagarafälle und der Grand Canyon. Die zahlreichen öffentlichen Auftritte erschöpften sie,[71] und sie ließ sich immer öfter durch ihre Töchter vertreten.

Während ihres Aufenthaltes wurden ihr neun Ehrendoktorate[72] verliehen. Der Bereich Physik der Harvard University verweigerte ihr diese Ehrenbezeugung jedoch mit der Begründung, „sie habe seit 1906 nichts Wichtiges geleistet“.[73] Vor ihrer Rückreise am 25. Juni an Bord der R.M.S. Olympic entschuldigte sich Curie für ihre gesundheitliche Schwäche: „Meine Arbeit mit dem Radium … vor allem während des Krieges hat meine Gesundheit so sehr geschädigt, dass es mir nicht möglich ist, alle Laboratorien und Colleges zu sehen, für die ich ein tiefes Interesse hege.“[74]

Im Oktober 1929 reiste Marie Curie ein zweites Mal nach Amerika. Während dieses zweiten Aufenthalts überreichte Präsident Herbert C. Hoover ihr einen Scheck über 50.000 Dollar, der für den Ankauf von Radium für das Radium-Institut in Warschau gedacht war.[75]
Marie Curies wissenschaftliche Arbeit wurde mit zahlreichen Wissenschaftspreisen und -medaillen gewürdigt. Darunter befanden sich der Actonian Prize der Royal Institution of Great Britain (1907), der Ellen Richards Prize der American Association to Aid Scientific Research by Woman (1921), der Grand Prix du Marquis d’Argenteuil der Société d’Encouragement pour l’Industrie Nationale (1923) und der Cameron Prize der Universität Edinburgh (1931). Sie ist bislang die einzige Frau, der zwei Nobelpreise verliehen wurden.[83] Sie war Mitglied und Ehrenmitglied einer Vielzahl von wissenschaftlichen Gesellschaften und erhielt Ehrendoktorate von Universitäten auf der ganzen Welt, deren Auflistung in Ève Curies 1937 veröffentlichten Biografie über ihre Mutter fünf Seiten umfasst.[84] Im Jahr 1932 wurde sie zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Zu Ehren von Marie und Pierre Curie sind die Bezeichnungen des chemischen Elements Curium und der Einheit Curie gewählt worden, das Curie ist eine Maßeinheit für die Aktivität eines radioaktiven Stoffes. Ebenfalls nach ihr wurden 1924 und 1933 die Minerale und Sklodowskit und Cuprosklodowskit sowie 1951 die in der Antarktis gelegene Curie-Insel benannt.[85] 1961 wurde der Mondkrater Sklodowska nach ihr benannt.[86] Die Universität Pierre und Marie Curie in Paris, die Maria-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin und die Curie Metropolitan High School in Chicago sowie etliche Schulen, beispielsweise in Deutschland, tragen Marie Curies Namen. Unter der Bezeichnung Marie-Curie-Programm (seit 2007 Marie Curie Actions) fördert die Europäische Kommission in mehreren Forschungsausbildungs- und Mobilitätsprogrammen Nachwuchswissenschaftler.[87]

Das Radium-Institut Paris und die Curie-Stiftung schlossen sich 1970 zum Institut Curie zusammen, das sich im Sinne Marie Curies der Forschung, Lehre und Krebsbehandlung verschrieben hat.[88] 1973 wurde der Marskrater Sklodowska nach ihr benannt.[89] Ein Onkologiezentrum in Warschau ist nach ihr benannt, es steht in der Tradition eines von ihr 1932 initiierten Radium-Institutes in Polen.

Im Jahr 1992 wurde das ehemalige Labor Marie Curies als Curie Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es dient zugleich als Archiv. In Warschau befindet sich das 1967 eröffnete Maria-Skłodowska-Curie-Museum.[90] Die Association Curie et Joliot-Curie pflegt den Nachlass der Curie-Familie. Anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung der Curie-Stiftung wurden 1995 die sterblichen Überreste von Marie und Pierre Curie in das Pariser Panthéon überführt. Im Jahr 2011 wurde die vormalige Most Północny in Warschau in Most Marii Skłodowskiej-Curie umbenannt.

Aufgrund ihrer Biografie wurde Marie Curie noch zu ihren Lebzeiten von der polnischen Frauenbewegung für deren Ziele vereinnahmt. Marie Curie engagierte sich jedoch nicht für diese Bewegung und setzte sich nicht für deren Ziele ein.[91]

Marie Curies Bild in der Öffentlichkeit wurde lange Zeit maßgeblich durch die von ihrer Tochter Ève verfasste überhöhte biografische Darstellung bestimmt. Ève Curie stellte eine Frau dar, die sich ganz der Wissenschaft gewidmet hatte und der persönliche Niederlagen nichts anhaben konnten. Die Ablehnung der Aufnahme Marie Curies in die französische Akademie der Wissenschaften und die „Langevin-Affäre“ wurden beispielsweise nur beiläufig erwähnt.[92][93] Die in der Französischen Nationalbibliothek aufbewahrten Tagebücher, die Marie Curie nach dem Tod ihres Mannes begonnen hatte, wurden der Forschung erst 1990 zugänglich. Susan Quinn (* 1940) konnte bei ihren siebenjährigen Recherchen für ihr Buch Marie Curie. Eine Biographie bisher unzugängliche Dokumente über die „Langevin-Affäre“ auswerten und so ein sehr differenziertes Bild der Persönlichkeit Marie Curies zeichnen.

Die Universität Hamburg zog 1985 in ihrem Begleitheft zur Ausstellung Frauen in den Naturwissenschaften das folgende Fazit:

„Marie Curie ist wegen der von ihr erhaltenen Nobelpreise in Physik (1903, gemeinsam mit Pierre Curie und Becquerel) und Chemie (1911) die wohl bekannteste Physikerin. Weniger bekannt pflegen die Schwierigkeiten zu sein, auf die sie stieß: sie wurde nicht zum Studium an der Warschauer Universität zugelassen, verdiente das Geld für ihre ersten Forschungen als Mädchenschullehrerin, und noch 1911 (!) wurde ihr die Aufnahme in die französische Akademie der Wissenschaften verweigert. Ähnlich unbekannt scheint auch ihr Engagement beim Völkerbund zu sein: Von 1922 bis 1934 war sie Vizepräsidentin der internationalen Kommission für geistige Zusammenarbeit beim Völkerbund. Auch die Möglichkeiten einer medizinischen Nutzung ihrer Entdeckungen interessierten sie stark.“[94]




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